1.1.Naturtonmusik
 
 
 
Die Naturtonmusik verwendet die Teiltöne der Naturtonreihe (Grundton mit seinen Obertönen) als Skalentöne. Das hat zur Folge, daß die Naturtonmusik keine gleichen Tonstufen hat, denn analog zur Naturtonreihe werden die Stufen von Teilton zu Teilton kleiner, bis im mikrotonalen Bereich die Hörgrenze (Fähigkeit des Gehörs, die Tonhöhen zweier Töne voneinander zu unterscheiden) überschritten wird.
Daraus ergibt sich eine Vielzahl an Intervallen und entsprechenden Mehrklängen, die vor allem im unteren Bereich der Tonskala eine eigene Klang-Charakteristik besitzen und damit das herkömmliche Tonsystem mit neuen, bisher kaum gehörten Zusammenklängen in einer ungeahnten Vielfalt bereichern werden.

   
 
   
 

 

Da alle Töne der Naturtonreihe in einem harmonischen Zusammenhang stehen, setzt sich dies auch in den von den einzelnen Tönen generierten Obertönen fort - jeder Zusammenklang ist also in sich völlig harmonisch. Das bedeutet jedoch nicht, daß solche Zusammenklänge (Intervalle, Drei- und Mehrklänge) frei von Spannung sind, im Gegenteil: der Bogen spannt sich von Klängen extremer Spannung (Akkorde, Intervalle mit hohen Tonzahlen, aber mit geringer Konsonanz), bis zu nahezu spannungsfreien Akkorden und Intervallen mit niedrigen Tonzahlen und hoher Konsonanz. Spannungsreiche Zusammenklänge haben die Tendenz, sich in solche mit geringerer Spannung aufzulösen - daraus ergeben sich nun vielfältige Möglichkeiten für ein neues Komponieren: Spannung erzeugen, sie führen, vorantreiben, steigern oder schwächen und sie schließlich in spannungsarme Klänge überführen, oder den gegenteiligen Weg wählen - Klänge werden somit wieder vermehrt gestaltendes Element der musikalischen Dramaturgie.

   
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