2.2.Naturtonsystem
 
 
 

Das Naturtonsystem ist eine harmonische Anordnung der Teiltöne einer Naturtonreihe.
Die Naturtonreihe erhält, in Oktaven geordnet, folgendes Aussehen:

   
 
   
 


Innerhalb des gesamten Systems nehmen die Größen der Tonstufen kontinuierlich ab, innerhalb jeder Oktave jeweils um die Hälfte. Entsprechend steigt die Zahl der in einer Oktave enthaltenen Töne um das Doppelte.
Rein theoretisch steigt die Zahl der Töne ins Unendliche, während die Tonhöhenunterschiede gegen Null gehen - es versteht sich von selbst, daß für die musikalische Praxis Grenzen gesetzt werden müssen. Unser Gehör gibt diese Grenzen an: innerhalb einer Oktave kann es 128 Töne voneinander unterscheiden - und so empfiehlt es sich, für den musikalischen Gebrauch sich auf die ersten sieben Oktaven des Systems zu beschränken.

Die beiden ersten Oktaven enthalten nur den Grundton, dessen Oktavierungen und die Oberquinte (Sitar-Stimmung), in der dritten Oktave aber erscheint bereits mit dem 7.Naturton ein Ton, der außerhalb des Gewohnten liegt und deshalb "ekmelisch" (ek melos = außerhalb des Melos) genannt wird. Dieser Ton bildet mit den in der Oktave vorausgegangenen Dreiklangstönen einen wunderbar klingenden, reinen Dur-Akkord, der, obwohl eine Septim darin enthalten ist, völlig stabil ist und keiner Auflösung bedarf. (vgl. Blues-Akkord)

Noch interessanter wird es in der vierten Oktave, wo mit 8 Tönen eine größere Auswahl zur Verfügung steht und mit dem 11. und 13.Naturton zur erneut auftretenden Naturseptim (14) zwei weitere "ekmelische" Töne hinzukommen.
Diese 8 Töne eignen sich vorzüglich zur Melodiebildung (die meisten Musiksysteme verwenden 5 bis 7 verschiedene Töne für ihre Melodien) - gleichzeitig können sie aber auch zur erweiterten Harmonie- bildung herangezogen werden.

Wie die chromatischen Töne unseres herkömmlichen Tonsystems erweitern die in der nächsten (fünften) Oktave hinzugekommenen ungeradzahligen Töne das System auf 16 verfügbare Töne, womit diese Oktave zu einer "chromatischen Naturtonskala" wird. Diese chromatischen Töne schaffen mehr Spannungen, erweitern die Melodik und die Harmonik und führen bereits zur "Mikroharmonik" hin, da viele Tonstufen bereits kleiner sind als ein Halbton.

Diese "Mikrotonalität" verstärkt sich vollends in der folgenden sechsten Oktave mit ihren 32 Tönen, deren Tonstufen vom Viertelton zu Beginn der Oktave auf einen Achtelton am Ende der Oktave absinken. Diese Skala wird als "mikrochromatisch" bezeichnet und wird schließlich noch von der ultrachromatischen" Skala in der siebenten Oktave abgelöst, deren letzter Tonschritt gerade noch einen Sechzehntelton beträgt und die Grenze des Hörbereichs erreicht hat. Diese siebente Oktave enthält bereits so viele Töne wie die vorausgegangenen 6 Oktaven! - Theoretisch könnte man das System noch weiter fortführen - doch noch höhere Tonzahlen (und noch kleinere Tonstufen) sind allenfalls von rechnerischem Interesse - in der Praxis haben sich zunächst einmal die ersten 64 Töne (Oktaven 1 - 6) bewährt.



 

   
 
   
 

Naturtonsystem:

  • Mit jeder neuen Oktave verdoppelt sich die Zahl der in ihr enthaltenen Töne.
  • Die Größe der Tonstufen verringert sich kontinuierlich, innerhalb einer Oktave um genau die Hälfte.
  • Mit jeder ungeraden Zahl tritt ein neuer Ton zum System hinzu.
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