5.1.5. Untertonreihen
 
 
 
 

Es wird wohl noch lange umstritten bleiben, ob es Untertonreihen in der Natur tatsächlich gibt (experimentell sind sie bis zum vierten Unterton nachgewiesen), und alle Bemühungen, sie aus natürlichen, akustischen Phänomenen herzuleiten, sind bislang wenig erfolgreich gewesen.

Bewegt man eine Stimme gleitend auf- oder absteigend zu einer statisch ruhenden Stimme, werden an bestimmten Punkten Differenztöne vernehmbar, die einer Untertonreihe anzugehören scheinen, jedoch nicht alle stimmen exakt mit ihr überein. Auch aus einer Konsonanzreihe, beginnend mit dem reinsten Intervall, der Oktave 2:1 und endend mit Intervallproportionen aus höheren Tonzahlen, läßt sich ebenfalls eine Untertonreihe heraushören.

Tatsache aber ist, daß man mit Untertonreihen spielend umgehen kann, und das im wahrsten Sinne des Worts vor allem an einem Instrument (vgl. "www.newkeyboard.de"), aber auch in der Komposition.
Die Intervalle der Untertonreihe sind die gleichen wie in der aufsteigenden Naturtonreihe, nur spiegelverkehrt - so daß deren Zahlenproportionen ebenfalls umgekehrt sind. Um sie an das Tonsystem anzupassen und an unsere Gewohnheit, Intervalle vom unteren Ton aus zu bestimmen (Bezugston), muß man die Intervallproportionen der Untertonreihe lediglich oktavieren. Der 7.Unterton beispielsweise, mit der Proportion 4/7, wird so als 8/7-Proportion angegeben, ein Intervall, das in seiner Größe nun im Oktavraum zwischen 1/1 und 2/1 angeordnet ist.

Man darf trotz solcher Umrechnungen nicht vergessen, daß die Untertonreihe ihren Grundton "oben" hat!

Diese Untertonreihe hat den Grundton C (oben), ist also eine Untertonreihe "auf C". Wir sind jedoch gewöhnt, harmonisch von unten nach oben zu hören: deutlich hebt sich aus der Reihe die Quint F-C heraus, und die Terzen, die sie ausfüllen - kleine Terz unten, große Terz oben - weisen auf einen Moll-Dreiklang hin: auf f-moll.
Der Moll-Dreiklang läßt sich also theoretisch aus der Untertonreihe ableiten, analog zum Dur-Dreiklang aus der Obertonreihe. Die sogenannte "Moll-Terz" ist jedoch nicht allein verantwortlich für den Moll-Charakter des gebildeten Akkordes, denn die anderen Tonstufen der Unterton-Skala, vor allem die Unterseptim, können die Terz ersetzen.


Der Akkord hat ebenso Moll-Charakter,

wie dieser Zusammenklang Dur-Charakter hat.

  zurück
Übersicht
weiter